====== Ubuntu Server 22.04 LTS auf 24.04 LTS upgraden ====== Diese Anleitung beschreibt das Upgrade eines Ubuntu Servers von Ubuntu 22.04 LTS auf Ubuntu 24.04 LTS. Stand: 2026-05-09 ===== Ziel ===== Upgrade eines bestehenden Ubuntu Servers von Ubuntu 22.04 LTS auf Ubuntu 24.04 LTS. Besonderheiten dieses Servers: * Ubuntu Server * SSH Zugriff * UFW Firewall * Apache als Reverse Proxy * Let's Encrypt und Certbot via Snap * Docker * Docker Compose * Nextcloud unter Docker ===== Wichtige Hinweise ===== Vor dem Upgrade muss ein funktionierendes Backup vorhanden sein. Ein Release Upgrade kann Paketquellen, Dienste, Konfigurationsdateien und Abhängigkeiten verändern. Besonders bei Docker, Nextcloud, Apache, SSH und Firewall Regeln muss vorsichtig gearbeitet werden. Das Upgrade sollte möglichst in einem Wartungsfenster durchgeführt werden. Wenn möglich, zusätzlich zur SSH Verbindung eine Konsole des Providers, eine VM Konsole, IPMI, iLO oder eine andere Notfallkonsole bereithalten. Das Upgrade sollte in tmux oder screen gestartet werden, damit es bei einer unterbrochenen SSH Verbindung weiterläuft. Nicht verwenden: sudo do-release-upgrade -d Der Parameter -d ist für Entwicklungs oder vorgezogene Upgrade Pfade gedacht und sollte auf produktiven Servern nicht verwendet werden. ===== Offizielle Quellen ===== * Ubuntu Server Upgrade Guide: [[https://ubuntu.com/server/docs/how-to/software/upgrade-your-release/?utm_source=chatgpt.com|https://ubuntu.com/server/docs/how-to/software/upgrade-your-release/]] * Ubuntu 24.04 LTS Release Notes: [[https://documentation.ubuntu.com/release-notes/24.04/?utm_source=chatgpt.com|https://documentation.ubuntu.com/release-notes/24.04/]] * Ubuntu 24.04 Community Release Notes: [[https://discourse.ubuntu.com/t/ubuntu-24-04-lts-noble-numbat-release-notes/39890?utm_source=chatgpt.com|https://discourse.ubuntu.com/t/ubuntu-24-04-lts-noble-numbat-release-notes/39890]] ===== 1. Aktuelle Systemversion prüfen ===== lsb_release -a uname -r hostnamectl Erwartet vor dem Upgrade: Ubuntu 22.04.x LTS Codename: jammy ===== 2. Backup erstellen ===== Vor dem Upgrade muss ein vollständiges und geprüftes Backup vorhanden sein. Mindestens sichern: * /etc * Docker Compose Verzeichnisse * .env Dateien * Docker Volumes * Datenbanken * Nextcloud Datenverzeichnis * Apache Konfiguration * Certbot und Let's Encrypt Konfiguration * wichtige eigene Skripte * Cronjobs * UFW Regeln ==== 2.1 /etc sichern ==== sudo tar -czf /root/backup-etc-$(date +%F).tar.gz /etc ==== 2.2 Docker Compose Verzeichnisse sichern ==== Pfad zum Docker Compose Projekt prüfen: cd /pfad/zum/docker-compose-verzeichnis pwd ls -la Beispiel Backup: sudo tar -czf /root/backup-docker-compose-$(date +%F).tar.gz /pfad/zum/docker-compose-verzeichnis ==== 2.3 Docker Status prüfen ==== docker ps docker ps -a docker volume ls docker network ls docker compose version docker version ==== 2.4 Nextcloud Backup prüfen ==== Bei Nextcloud unter Docker müssen besonders gesichert werden: * Nextcloud Datenverzeichnis * Nextcloud config.php * Datenbank * Docker Compose Datei * .env Datei * eventuell externe App Daten Datenbankcontainer anzeigen: docker ps Beispiel für einen Datenbankdump bei MariaDB oder MySQL: docker exec -it DATENBANK_CONTAINER_NAME mysqldump -u root -p --all-databases > /root/backup-mysql-$(date +%F).sql Hinweis: Containername, Datenbankbenutzer und Datenbankname müssen zur eigenen Installation passen. ===== 3. SSH Zugriff absichern ===== Während des Upgrades kann ein zusätzlicher SSH Port 1022 verwendet werden. Der Ubuntu Release Upgrader bietet diesen Port häufig als Notfallzugang an. Port 1022 in UFW erlauben: sudo ufw allow 1022/tcp sudo ufw status numbered SSH Status prüfen: systemctl status ssh --no-pager ss -tlnp | grep -E ':22|:1022' tmux installieren: sudo apt install tmux tmux starten: tmux Das Upgrade danach innerhalb der tmux Sitzung starten. ===== 4. System vollständig aktualisieren ===== Paketlisten aktualisieren: sudo apt update Bestehende Ubuntu 22.04 Installation vollständig aktualisieren: sudo apt dist-upgrade -o APT::Get::Always-Include-Phased-Updates=true Nicht mehr benötigte Pakete entfernen: sudo apt autoremove --purge Paketstatus prüfen: sudo apt --fix-broken install sudo dpkg --audit apt-mark showhold Freien Speicherplatz prüfen: df -h df -h / /boot /var Falls Pakete zurückgehalten werden: apt list --upgradable apt-mark showhold Zurückgehaltene Pakete zuerst bewusst prüfen und beheben. ===== 5. Reboot vor dem Release Upgrade ===== Prüfen, ob ein Reboot erforderlich ist: test -f /run/reboot-required && echo "Reboot erforderlich" Server neu starten: sudo reboot Nach dem Reboot erneut anmelden und prüfen: lsb_release -a uname -r systemctl --failed ===== 6. Upgrade Tool vorbereiten ===== update-manager-core installieren: sudo apt install update-manager-core Konfiguration prüfen: cat /etc/update-manager/release-upgrades Dort muss stehen: Prompt=lts Falls nicht, Datei bearbeiten: sudo nano /etc/update-manager/release-upgrades Oder per Befehl setzen: sudo sed -i 's/^Prompt=.*/Prompt=lts/' /etc/update-manager/release-upgrades ===== 7. Drittanbieter Paketquellen prüfen ===== Vor dem Upgrade alle zusätzlichen Paketquellen prüfen: ls -la /etc/apt/sources.list.d/ grep -R "^deb " /etc/apt/sources.list /etc/apt/sources.list.d/ Typische Drittquellen: * Docker * Google * Microsoft * NodeSource * PostgreSQL * MariaDB * Grafana * sonstige PPAs Der Release Upgrader deaktiviert Drittanbieterquellen häufig automatisch. Nach dem Upgrade müssen sie für noble wieder korrekt aktiviert werden. Aktuellen Ubuntu Codename prüfen: lsb_release -cs Vor dem Upgrade sollte hier stehen: jammy Nach dem Upgrade sollte hier stehen: noble ===== 8. Optional Docker und Nextcloud vor dem Upgrade stoppen ===== Bei produktiven Diensten Wartungsfenster einplanen. Docker Compose Verzeichnis öffnen: cd /pfad/zum/docker-compose-verzeichnis Status prüfen: docker compose ps Optional Container stoppen: docker compose down Nur stoppen, wenn ein Backup vorhanden ist und klar ist, wie die Dienste wieder gestartet werden. ===== 9. Release Upgrade starten ===== Upgrade starten: sudo do-release-upgrade Während des Upgrades: * Fragen aufmerksam lesen * keine Paketentfernungen blind bestätigen * bei Konfigurationsdateien bewusst entscheiden * Unterschiede anzeigen lassen, wenn lokale Änderungen vorhanden sind * bei SSH Hinweis Port 1022 offen lassen * bei Aufforderung zum Neustart bestätigen Typische Frage bei Konfigurationsdateien: * lokale Version behalten * Paketbetreuer Version installieren * Unterschiede anzeigen Bei manuell angepassten Diensten wie Apache, SSH, UFW, Docker oder Fail2Ban im Zweifel zuerst Unterschiede anzeigen lassen. ===== 10. Reboot nach dem Upgrade ===== Nach Abschluss des Upgrades neu starten: sudo reboot Danach Version prüfen: lsb_release -a uname -r hostnamectl Erwartet: Ubuntu 24.04.x LTS Codename: noble ===== 11. Paketquellen nach dem Upgrade prüfen ===== Paketquellen prüfen: sudo apt update Alle Quellen kontrollieren: grep -R "^deb " /etc/apt/sources.list /etc/apt/sources.list.d/ Es sollten keine alten jammy Quellen aktiv sein, außer bewusst und begründet. Nach alten Einträgen suchen: grep -R "jammy" /etc/apt/sources.list /etc/apt/sources.list.d/ Falls Docker Quelle deaktiviert wurde: ls -la /etc/apt/sources.list.d/ cat /etc/apt/sources.list.d/docker.list 2>/dev/null Docker Quelle muss nach dem Upgrade auf noble zeigen, nicht auf jammy. ===== 12. System nachbereinigen ===== Paketstatus prüfen: sudo apt update sudo apt upgrade sudo apt autoremove --purge sudo apt clean Fehlerhafte Dienste anzeigen: systemctl --failed Fehler im aktuellen Boot anzeigen: journalctl -p 3 -xb Pakete mit Problemen prüfen: sudo dpkg --audit sudo apt --fix-broken install ===== 13. SSH nach dem Upgrade prüfen ===== Status prüfen: systemctl status ssh --no-pager systemctl status ssh.socket --no-pager ss -tlnp | grep -E ':22|:1022' Ab Ubuntu 24.04 kann SSH über systemd Socket Activation laufen. Deshalb zusätzlich ssh.socket prüfen. Falls SSH funktioniert und Port 1022 nicht mehr benötigt wird: sudo ufw delete allow 1022/tcp sudo ufw status numbered ===== 14. UFW Firewall prüfen ===== Status anzeigen: sudo ufw status verbose Typische erlaubte Ports: 22/tcp 80/tcp 443/tcp Falls temporär verwendet: 1022/tcp Regeln prüfen: sudo ufw status numbered ===== 15. Apache Reverse Proxy prüfen ===== Apache Konfiguration testen: sudo apache2ctl configtest Apache Status prüfen: systemctl status apache2 --no-pager Apache neu laden: sudo systemctl reload apache2 Aktive Virtual Hosts prüfen: sudo apache2ctl -S Aktive Module prüfen: apache2ctl -M Wichtige Module für Reverse Proxy: * proxy * proxy_http * headers * ssl * rewrite Prüfung: apache2ctl -M | grep -E "proxy|ssl|rewrite|headers" ===== 16. Let's Encrypt und Certbot prüfen ===== Snap prüfen: snap list Certbot Zertifikate prüfen: sudo certbot certificates Renewal Test durchführen: sudo certbot renew --dry-run Timer prüfen: systemctl list-timers | grep -i certbot systemctl list-timers | grep -i snap ===== 17. Docker nach dem Upgrade prüfen ===== Docker Version prüfen: docker version docker compose version Docker Dienst prüfen: systemctl status docker --no-pager Container prüfen: docker ps docker ps -a Falls Container vor dem Upgrade gestoppt wurden: cd /pfad/zum/docker-compose-verzeichnis docker compose up -d Logs prüfen: docker compose logs --tail=100 ===== 18. Nextcloud nach dem Upgrade prüfen ===== Docker Container prüfen: docker ps Nextcloud Logs prüfen: docker logs --tail=100 NEXTCLOUD_CONTAINER_NAME Nextcloud Status per occ prüfen: docker exec -u www-data -it NEXTCLOUD_CONTAINER_NAME php occ status Maintenance Mode prüfen: docker exec -u www-data -it NEXTCLOUD_CONTAINER_NAME php occ maintenance:mode Core Integrität prüfen: docker exec -u www-data -it NEXTCLOUD_CONTAINER_NAME php occ integrity:check-core Hinweis: Containername und Benutzer können je nach Image abweichen. ===== 19. Netzwerk prüfen ===== IP Adressen prüfen: ip addr ip route DNS prüfen: resolvectl status Erreichbarkeit prüfen: ping -c 4 1.1.1.1 ping -c 4 ubuntu.com Offene Ports prüfen: ss -tulpen ===== 20. Dienste prüfen ===== Alle fehlgeschlagenen Dienste anzeigen: systemctl --failed Wichtige Dienste einzeln prüfen: systemctl status ssh --no-pager systemctl status apache2 --no-pager systemctl status docker --no-pager systemctl status ufw --no-pager Logs prüfen: journalctl -p 3 -xb journalctl -u apache2 -n 100 --no-pager journalctl -u docker -n 100 --no-pager journalctl -u ssh -n 100 --no-pager ===== 21. Alte Kernel und Pakete prüfen ===== Installierte Kernel anzeigen: dpkg -l | grep linux-image Nicht mehr benötigte Pakete entfernen: sudo apt autoremove --purge System bereinigen: sudo apt clean ===== 22. Abschlussprüfung ===== Folgende Punkte müssen erfolgreich sein: * Server startet ohne Fehler * SSH funktioniert * UFW Regeln passen * Apache Konfiguration ist gültig * HTTPS Zertifikate funktionieren * Docker läuft * Nextcloud ist erreichbar * keine fehlgeschlagenen systemd Dienste * keine alten jammy Paketquellen aktiv * apt update läuft fehlerfrei * journalctl zeigt keine kritischen neuen Fehler Befehle: lsb_release -a uname -r sudo apt update systemctl --failed journalctl -p 3 -xb sudo apache2ctl configtest sudo certbot renew --dry-run docker ps sudo ufw status verbose ===== 23. Temporäre Freigaben entfernen ===== Falls Port 1022 nur für das Upgrade geöffnet wurde: sudo ufw delete allow 1022/tcp sudo ufw status numbered ===== 24. Rollback ===== Falls das Upgrade fehlschlägt: * nicht weiter blind reparieren * Fehlermeldungen sichern * Logs sichern * Backup prüfen * bei VM Snapshot zurückspielen * bei Bare Metal Restore aus Backup planen Wichtige Logs: /var/log/dist-upgrade/ /var/log/apt/ /var/log/syslog Anzeigen: ls -la /var/log/dist-upgrade/ less /var/log/dist-upgrade/main.log less /var/log/dist-upgrade/apt.log ===== 25. Kurzfassung ===== sudo ufw allow 1022/tcp sudo apt update sudo apt dist-upgrade -o APT::Get::Always-Include-Phased-Updates=true sudo apt autoremove --purge sudo reboot sudo apt install update-manager-core \\ cat /etc/update-manager/release-upgrades sudo do-release-upgrade sudo reboot lsb_release -a \\ sudo apt update \\ systemctl --failed \\ journalctl -p 3 -xb \\ sudo apache2ctl configtest \\ sudo certbot renew --dry-run \\ docker ps \\ sudo ufw status verbose \\ ===== Ergebnis ===== Nach erfolgreichem Abschluss läuft der Server auf: Ubuntu 24.04 LTS Noble Numbat Alle produktiven Dienste wurden geprüft.